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Das schönste Herz

27. Mai 2009

Leider weiß ich nicht, wer diese Geschichte niedergeschrieben hat. Falls jemand den Autor kennt, bitte hinterlasst den Namen in den Kommentaren.

Diese Geschichte kommt von einer guten Freundin von mir. Der ich, auch wenn ich weiß, dass sie diesen Blog nicht einmal kennt, danken will, für die schwere Zeit, durch die mich u.a. ihre Selbstlosigkeit und ihre unverwechselbare, sarkastische-aber mitfühlende Art gebracht hat…

Es ist nur eine dieser wunderbaren Märchengeschichten, die uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen….und in letzter Zeit traf ich einige Menschen, die dahin zurückkehren sollten.

Aber genug meiner Schwafelei…genießt dieses „Kurzmärchen“…

beautiful_heart

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt.

Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, dass sie je gesehen hatten. Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: „Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines.“

Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken, genauer gesagt…. an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten.

Die Leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie?

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: „Du musst scherzen“ sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.“

„Ja“, sagte der alte Mann, „Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe.

Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt.

Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten.

Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen.

Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen. Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an.

Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es ausgefranste Ränder hatte.

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen.

Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.

Narben auf dem Körper bedeuten, dass man gelebt hat.

Narben auf der Seele bedeuten, dass man geliebt hat.

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31 Kommentare leave one →
  1. 28. Mai 2009 14:15

    Hätte ich eher von Salzwasser erwartet – schön, dass Du es zitierst 😉 Doch bevor wir uns alle nun ein Stück Herz rausreißen, erinnern wir uns daran, das es eine Metapher ist 🙂

    • 28. Mai 2009 15:39

      Stimmt…für mich auch ein untypischer Beitrag….aber ich bin gestern wieder über die Geschichte gestolpert und dachte, Abwechslung schadet dem Blog nicht. 😉
      Genau, liebe Kinder: Bitte nicht nachmachen!

  2. 28. Mai 2009 18:03

    Es ist eine schöne Geschichte und natürlich stimmt es, daß jede Narbe auf der Seele bedeutet, geliebt zu haben, aber ich bin nicht mehr verklärt genug, um die blauen Flecken und Blutergüsse auf der Seele auszublenden, die irgendwann zu Narben wurden 😉

    • 28. Mai 2009 19:14

      Das stimmt…aber die Geschichte brauchte ja ein Happy End;)

      • 28. Mai 2009 19:25

        ich brauche keine Märchen; ich lebe mein eigenes *hüstel* 🙂

      • 28. Mai 2009 19:51

        Hehe…Bist du dann die Prinzessin oder die Hexe? 😉

  3. 28. Mai 2009 19:35

    das kenne ich. ich finde das auch total berührend.

    • 28. Mai 2009 19:52

      Ja, das ist ziemlich bekannt…und ich finde es so beeindruckend, wie so eine kurze Geschichte mit einfacher Sprache so tief gehen kann.

      • 29. Mai 2009 13:41

        das stimmt. aber da gibts ein paar solcher mails, die wahnsinnig berührend sind und wirklich schöne geschichten schreiben.

  4. 28. Mai 2009 20:04

    in mir schlagen 2 Seelen 😉

    Kennst Du „die Einladung“? Das liebe ich sehr…

    http://www.mooshexe.com/2007/11/07/die-einladung/

  5. 28. Mai 2009 20:15

    ups… Seelen schlagen ja gar nicht. Herzen 😀

    etwas verwirrt – Hilfe, es geht los 😉

    • 28. Mai 2009 20:27

      Nur zwei? das geht ja noch :-p

      Stimmt…ist ein schöner Text

      • 28. Mai 2009 20:32

        alle meine Persönlichkeiten sind kompatibel 😉

  6. 29. Mai 2009 00:07

    So eine schöne Geschichte!!
    Irgendwie mag ich Narben, ich hab fast aus jedem Urlaub eine mitgebracht und sie werden mich immer an die Abenteuer erinnern, die ich erlebt habe…genauso ist es mit dem Herz und der Seele, man muss bereit sein verletzt zu werden, und „umsonst geliebt“ gibt es nicht, auch wenn danach eine kleine (oder auch größere) Furche übrig bleibt. Irgendwann kommt jemand der die Lücken füllt 🙂

    • 29. Mai 2009 09:43

      vorbereitet auf das Verletztwerden ist man eigentlich nie…aber man weiß, dass es passieren kann.
      Da hast du Recht…irgendwann schaufelt jemand die Furche wieder zu.
      Und auch jede schmerzhafte Erfahrung hat seine Bedeutung…wir lernen daraus und du weißt ja, was uns nicht umbringt, härtet uns ab 😉

      • 29. Mai 2009 12:37

        Naja, ich meine ja auch nicht vorbereitet sein, sondern bereit sein, das Risiko einzugehen 😉
        Ja, du hast leider allzu Recht, mit „was uns nicht umbringt, macht uns härter“! Wir fangen an eine Mauer aufzubauen, versuchen uns zu schützen, in dem wir uns hinter einem Schutzwall aus Unnahbarkeit verkriechen…Diese Mauer versuche ich gerade wieder abzutragen, denn es gibt nichts Schlimmeres, als Gefühlsstarre und Gleichgültigkeit!! Aber ich denke mit Emotionslosigkeit hast du ja eh nicht zu kämpfen, oder?

      • 29. Mai 2009 12:45

        Ich hatte dich ja schon verstanden 😉

        Japp…diese Mauer kenn ich…von mir selbst und von anderen…
        Stimmt, mit Emotionslosigkeit hab ich nicht zu kämpfen, aber das Gegenteil kann auch sehr belastend sein…mehr für mich, als für die Mitmenschen.
        Wobei ich auch ein Mensch bin, der gerne Mauern aufbaut und dann sehr kalt wirkt, weil ich mich in meine Welt zurückziehe, zu der niemand Zutritt hat
        „Schutzwall aus Unnahbarkeit“ das muss ich mir merken…das trifft es genau

  7. 29. Mai 2009 12:48

    dieser Schutzwall aus Unnahbarkeit (hinter dem sich ein Mann versteckte) hat jüngst viel schönes zerstört. Ich hab sehr gelitten, aber ich befürchte: er auch – er hat es nur nicht gezeigt.

    • 29. Mai 2009 18:12

      ich hab sowas auch grad hinter mir…und das war nicht das erste mal..nur das härteste…

  8. 6. Juni 2009 19:39

    Eine schöne Geschichte. Wirklich, ja, gefällt mir sehr gut! Hat so viel wahres. Die Seelennarben, wenns weh tut, weiß man dass es richtig war.
    Und so eine Mauer, schützt uns davor, die Frage ist nur ob es nicht all den Schmerz wert ist. Ich glaube ja.

  9. 15. Juni 2009 23:48

    Diese Geschichte findet sich hundertfach im Netz und keiner bemüht sich darum den Autor herauszufinden! Nun, in diesem Fall ist es eine Autorin mit dem Namen Ines, die unter dem Pseudonym „Fairy“ schreibt, z. B. hier: http://www.wieland-page.ch/fairyherz.htm

    • 16. Juni 2009 00:09

      Vielen Dank.
      Ich habe selbst lange gesucht, aber nie einen Autor gefunden. Und ich mag es gar nicht, wenn eine fremde Geschichte, keinen bekannten Verfasser hat 😉

  10. 6. Oktober 2012 17:39

    Lieber Hamlet, das ist das schönste und wahrhaftigste Märchen, das ich je gelesen habe.
    Ich freue mich über Deine Mails und habe auch für Dich eine kleine Überraschung vorbereitet, aber nun weiß ich nicht, wie ich sie Dir zukommen lasse kann.
    Ich versuche es erst mal so, vielleicht klappt es ja.

    /Users/Hildegard/Desktop/hildegards Gedichte doc/Hamlet.doc

    • 6. Oktober 2012 18:38

      Es gehört auch zu meinen liebsten Texten, daher musste ich es auch in diesem Blog unterbringen. Leider fehlt der Autor immer noch.

      Meine Mails? Du meinst sicherlich meine „Likes“ zu deinen Gedichten. Mir gefällt der erzählerische Stil deiner Lyrik.

      Ich sehe, du benutzt einen Mac *g*, aber so funktioniert es leider nicht (es sei denn ich hätte einen Remote-Zungang, aber das führt jetzt zu weit). Du könntest mir einfach das Dokument per E-Mail zukommen lassen. Die Adresse findest du hier: https://hamlet82.wordpress.com/about/

      • 6. Oktober 2012 20:25

        Ich hoffe, Du nimmst den sächsischen Hamlet nicht übel. Ich liebe ihn jedenfalls so wie alle Dramen, Theaterstücke und Gedichte in der ÜBERSETZUNG von Lene Voigt.LEWI

      • 6. Oktober 2012 22:59

        Jetzt steht er im Internet. Aber meine Zeilen sind verrutscht, muß ich schon wieder reparieren.
        Es freut mich, daß dir mein Stil gefällt. Ja, ich bin eine große Erzählerin. Wenn ich anfange zu reden, höre ich so schnell nicht wieder auf.

      • 6. Oktober 2012 23:55

        Ein schöner Text.
        Ich mag dialektische Spielereien. Und was die Hamlet-Blasphemie betrifft, da bin ich ebenso flexibel. Solange sie gelungen sind, wie der „Hamlädd“, habe ich nichts gegen Adaptionen, im Gegenteil, ich freue mich über jede neue Variation.

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